Folge 16: BusinessShift – Nachhaltigkeit braucht Governance @AUNDE

Shownotes

Wie gelingt es Unternehmen, Nachhaltigkeit nicht nur zu versprechen, sondern tatsächlich steuerbar zu machen – in einem Umfeld aus steigender Regulierung, globalen Lieferketten und wachsender Komplexität? Und wie lassen sich Dekarbonisierung, Datenmanagement und Unternehmenssteuerung so verbinden, dass daraus echte Handlungsfähigkeit entsteht?

In dieser Folge von BusinessShift, dem Nachhaltigkeits-Podcast von TÜV Rheinland People & Business Assurance, geht es um Governance statt Bauchgefühl, um Daten statt Einzelinitiativen – und um die Frage, warum nachhaltige Transformation vor allem eine Frage von Struktur, Prozessen und konsequenter Umsetzung ist.

Unsere Gäste:

Stefan König, Chief Quality Officer der Aunde Group, verantwortlich für integrierte Management-Systeme, Zertifizierung, Informationssicherheit und Nachhaltigkeit in einem globalen Industrieunternehmen mit mehr als 100 Standorten weltweit.

Hannah Koppenborg, Manager Business Process Management & IMS bei der Aunde Group. Sie verantwortet zentrale Themen rund um Reporting, Datenqualität und die digitale Weiterentwicklung von Nachhaltigkeits- und Managementsystemen.

Gemeinsam geben sie einen seltenen Einblick in die operative Realität eines Unternehmens, das Governance, Digitalisierung und Nachhaltigkeit nicht als Schlagworte versteht – sondern als Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

🔍** Themen der Folge:**

  • Warum Governance heute weit mehr ist als Kontrolle – und zur Grundlage moderner Unternehmenssteuerung wird
  • Wie ein integriertes Management-System Nachhaltigkeit, Qualität und Informationssicherheit zusammenführt
  • Weshalb Dekarbonisierung nicht nur eine technologische, sondern vor allem eine organisatorische Herausforderung ist
  • Wie Unternehmen mit einfachen Mitteln starten können – und warum Perfektion am Anfang der falsche Anspruch ist
  • Welche Rolle Datenqualität, Reporting und Digitalisierung für fundierte Nachhaltigkeitsentscheidungen spielen
  • Warum Automatisierung und Data Analytics entscheidend sind, um aus Daten echte Handlungsempfehlungen zu entwickeln
  • Wieso Anpassungsfähigkeit und Geschwindigkeit über den zukünftigen Erfolg von Unternehmen entscheiden

Diese Episode zeigt eindrucksvoll: Nachhaltigkeit entsteht nicht durch einzelne Projekte – sondern durch klare Strukturen, verlässliche Daten und die Bereitschaft, Organisationen kontinuierlich weiterzuentwickeln.

📌 Kapitelübersicht

00:00:00 Einführung in BusinessShift und das Thema Governance 00:03:08 Governance als Grundlage für Steuerungsfähigkeit im Unternehmen 00:10:15 Dekarbonisierung beginnt mit Struktur und Organisationsdesign 00:16:42 Daten sammeln, verstehen und verbessern – der Weg zu belastbarer Nachhaltigkeitssteuerung 00:24:20 Digitalisierung, Reporting und Data Analytics als Enabler der Transformation 00:32:38 Standards, Zertifizierungen und Audits sinnvoll nutzen 00:39:50 Führung, Haltung und Agilität als Erfolgsfaktoren für nachhaltige Transformation

**📌 Mehr erfahren: ** Nachhaltigkeits-Dienstleistungen von TÜV Rheinland: 👉 https://www.tuv.com/landingpage/de/nachhaltigkeit/?wtmc=Website.tuv-com.no-interface.CW22X00SUS.CW22X00SUSWS.banner.stage

Mehr zur Nachhaltigkeitsstrategie der AUNDE Group: 👉 https://www.aunde-group.com/

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Bleiben Sie neugierig – und denken Sie daran: Nachhaltigkeit beginnt nicht erst in der Lieferkette. Sie beginnt im Kopf und im Ohr – bei uns. BusinessShift. Einfach MACHEN. EINFACH machen. Jetzt reinhören und abonnieren!

Transkript anzeigen

00:00:00: BusinessShift. BusinessShift. Einfach machen. Einfach machen. Der Podcast für Entscheider und Führungskräfte, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit nachhaltig beschäftigen wollen. Herzlich willkommen zum Business Shift. Heute bin ich, Max Birkenmeier von TÜV Rheinland, fur euch am Mikrofon und wir sprechen über ein Thema, das viele unterschützen bis sie mittendrin stecken.

00:00:01: Governance. Zugegeben, Governance klingt erstmal nach Struktur, nach Regeln, vielleicht nach Bürokratie. Aber in der Realität ist Governance heute viel mehr als das.

00:00:02: Sie ist die Grundlage dafür, dass Unternehmen ein Umfeld aus steigenden regulatorischen Anforderungen, globalen Lieferketten und wachsender Komplexität überhaupt handlungsfähig bleiben. Und vielleicht kann man es so zuspitzen. Nachhaltigkeit funktioniert nicht ohne Governance und Governance funktioniert nicht ohne Digitalisierung.

00:00:03: Genau darüber sprechen wir heute mit zwei Gästen, die diese Transformation nicht aus der Theorie kennen, sondern aus der operativen Realität eines globalen Industrieunternehmens. Stefan König ist Chief Quality Officer der AUNDE Group. Die AUNDE Group gehört weltweit zu den führenden Automobilzulieferern im Bereich Interieur mit mehr als 100 Standorten weltweit und tief eingebundenen globalen Lieferketten.

00:00:04: Stefan verantwortet integrierte Management-Systeme, Zertifizierung, Informationssicherheit und Nachhaltigkeit. Also genau die Bereiche, in denen Struktur und Zukunftsfähigkeit entscheidet. Stefan, schön, dass du heute bei uns bist.

00:00:05: Hallo Max, vielen Dank, dass wir heute hier sein dürfen. Und an deiner Seite, Stefan, ist Hannah Koppenburg, Manager Business Process Management und IMS, Koordinatorin bei der AUNDE Group. Hallo.

00:00:06: Hannah bringt ihre Expertise insbesondere dort ein, wo Strategie auf Umsetzung trifft, also bei der konkreten Gestaltung von Prozessen, der Integration vom Management-System und der operativen Verankerung in der Organisation. Hanna, klasse, dass du heute auch bei uns bist. Vielen Dank.

00:00:07: Ich freue mich auch.

00:00:08: Vielen Dank. Und natürlich begrüsse ich auch meine Co-Host und unsere Global Head of Sustainability, Dr. Bahar Cat-Krause. Bahar bringt die übergeordnete Nachhaltigkeitsperspektive mit ein und hilft uns, die grösseren strategischen Zusammenhänge noch besser einzuordnen. Hallo Bahar.

00:00:09: Hi Max. Hallo Hannah. Hi Stefan.

00:00:10: Ich freue mich auf eine tolle Folge heute.

00:00:11: Super. Stefan, Hannah, lasst uns direkt einsteigen. Stefan, wenn ihr Governance hört, denkt ihr eher an Struktur, an Kontrolle oder an die Grundlage für langfristige Handlungsfähigkeit in einem dynamischen Umfeld? Ganz klar an Struktur und Handlungsfähigkeit, weil ich glaube, das Governance-System, gerade bei Unternehmen unserer Grössenordnung, ist zwingend notwendig. Ohne geht's gar nicht.

00:00:12: Ja und Governance-Strukturen schaffen ja auch eigentlich nur dann Wirkung, wenn sie auch Entscheidungen verbessern, oder? Welche Kriterien nutzt ihr eigentlich, um dann auch die Wirksamkeit eurer Governance dann auch wirklich objektiv zu prüfen oder prüfen zu können?

00:00:13: Das Governance-System ist ja ein grosses Konstrukt. Das heisst, um Dinge zu überprüfen können, muss ich ja erst mal Prozesse, Geschäftsprozesse etablieren. Und hier kommt unser integriertes Management-System auch ins Spiel.

00:00:14: Und das spielt halt eine wesentliche Rolle bei uns. Wir haben bei der AUNDE Group 2006 damit angefangen, ein integriertes Management-System aufzubauen. Und seitdem haben wir das dann weiterentwickelt.

00:00:15: Und vor allem, wir haben angefangen mit den klassischen Dingen wie Qualitätsmanagement, die ganzen EAS-Standards und haben das dann integriert und haben damit eine super Grundlage geschaffen. Später hat dann das Thema Nachhaltigkeit angezogen und da kamen noch zusätzliche Komponenten dazu. Und dadurch hatten wir halt die Chance, ein Governance-System im eigentlichen Sinne dann aufzubauen und so wie wir es heute auch haben.

00:00:16: Hier haben wir die ganzen Geschäftsprozesse vereinfacht gesagt beschrieben. Und das wiederum ist natürlich die Grundlage, um diese Dinge auch zu implementieren und später dann auch zu überwachen.

00:00:17: Gab es denn bei AUNDE so einen Moment, in dem klar wurde, okay ohne Governance-Strukturen wird es wirklich schwierig, Nachhaltigkeit wirklich steuerbar zu machen?

00:00:18: Das war eigentlich eher eine Reise. Seit 2006 haben wir schon integriertes Management-System und alles, was danach kam mit dem Thema Nachhaltigkeit, Informationssicherheit, ist eingeflossen und war eigentlich eine logische Konsequenz. Warum haben wir das Ganze gemacht?

00:00:19: Weil wir vorher parallele Dinge hatten. Also quasi das Thema Strategieplanung, wir hatten eine Unternehmensstrategie, wir hatten eine Nachhaltigkeitsstrategie, Informationssicherheit ist noch ein bisschen parallel gelaufen. Und das haben wir dann alles zusammengebracht in ein Governance-System.

00:00:20: Unser Governance-System heisst TIMS, Total Integrated Management System. Dem haben wir einen Rufnamen gegeben, um das Ganze pragmatischer zu machen. Und das ist die Grundlage heute für unsere Geschäftsprozesse.

00:00:21: Du hast gerade das Thema Strategie angesprochen. Das hei§t, ihr habt auf Grundlage eurer Strategie Governance-Strukturen eingeführt. Habt ihr auch Entscheidungsprozesse verändert, weil viele Unternehmen neue Strukturen einführen ohne Entscheidungsprozesse, was manchmal einfach dazu führt, dass man genau das, was du angesprochen hast, eben das Monitoring und das Tracking einfach dann auch erschweren, weil es vielleicht auch keine spezifischen Verantwortungen gibt und Leute, die sich dem Thema dann wirklich auch in der Implementierung annehmen?

00:00:22: Ich bin jetzt seit 2018 bei der AUNDE Group. Was wir gemacht haben, wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht von dem damaligen Management-System und dann die Weichen gestellt für die Zukunft noch mal. Also wir hatten ja schon ein System und haben das aber noch mal wirklich auf links gezogen.

00:00:23: Auf links gezogen hei§t, wir haben noch mal unsere Prozesslandkarte überarbeitet, wir haben Prozesse überarbeitet, auf der Gruppenebene vor allem. Und dadurch haben wir natürlich auch Verantwortlichkeiten oder Entscheidungsprozesse angepasst, aber wir haben sie nicht komplett überdacht.

00:00:24: Und du hast eben angesprochen, ihr habt dem Kind auch einen Namen gegeben, TIMS, ist das richtig? Das ist ja total wichtig, damit man sich auch mit neuen Prozessen, neuen Herangehensweisen ja auch als Mitarbeitende oder Mitarbeitende im Unternehmen dann auch identifizieren kann. Wie habt ihr das denn kommuniziert?

00:00:25: Weil ich sehe auch oft in unserem Netzwerk, dass da tolle Strategien sind, tolle Prozesse, vielleicht auch neue Entscheidungsprozesse, aber die Kommunikation manchmal an der einen oder anderen Stelle fehlt, sodass viele gar nicht wissen, dass es eben dieses neue Kind namens TIMS gibt.

00:00:26: Das ist eine super Frage und ich würde gerne ein bisschen ausholen hier, weil tatsächlich hatten wir das auch sehr gut gemacht. Bei der Überarbeitung unseres Management-Systems, das haben wir in einem interdisziplinären Team gemacht mit den ganzen Key-Playern unserer Business-Units. Wir haben ja vier Bereiche, das ist AUNDE, Isri, Vera und Reinhardt.

00:00:27: Und da habe ich die Aufgabe gegeben, dass wir uns Gedanken machen, wie wir unser Management-System vermarkten können. Also vermarkten, tatsächlich promoten, das war die Idee. Und wir haben dann im Team uns überlegt, wie können wir das Kind nennen.

00:00:28: Und dann haben wir tatsächlich auch eine Art von Umfrage gemacht. Wir haben uns verschiedene Namen ausgedacht, die dann auch Sinn ergeben. Und da sind wir bei TIMS dann hängengeblieben.

00:00:29: Und TIMS dann auch so ausgesprochen wie ein Rufname und steht letztendlich für Total Integrated Management System. Das andere ist, wir haben damit komplett verbunden auch als Grafik dargestellt. Das heisst, wir haben uns ein Logo überlegt, wie wir das Ganze machen können.

00:00:30: Wir haben uns auch eine Marketing-Strategie überlegt, wie wir das Ganze dann auch den Usern, den Nutzern dann verkaufen können. Verkaufen natürlich in Anführungsstrichen. Und haben eine komplette Storyline auch entwickelt.

00:00:31: Nämlich, von wo kommen wir her. Das, was alt war, war nicht komplett schlecht. Aber warum brauchen wir etwas Neues?

00:00:32: Wie hei§t das Neue? Warum brauchen wir das Ganze? Und haben das dann auch bei der Implementierung des neuen Management-Systems so dann kommuniziert.

00:00:33: Und dann haben wir auch eine Kommunikationskampagne gestartet, wo wir tatsächlich auch in verschiedenen Veranstaltungen den Usern das dann vermittelt haben.

00:00:34: Gab es denn da auch nochmal, ich sag mal, Widerstände intern gegen den Ansatz, den ihr dann auch wirklich gefahren seid?

00:00:35: Und wie seid ihr, wenn, dann damit umgegangen? Wie immer bei Change Management gibt es Widerstände. Was super war, das Management, Top Management hat diesen Ansatz mit unterstützt.

00:00:36: Das ist schon die halbe Miete. Dann gab es in den Experten-Teams natürlich Detaildiskussionen. Aber die konnten wir auch dann miteinander diskutieren und ausräumen.

00:00:37: Und ich denke, das Wichtige ist, wir haben einen kollaborativen Ansatz gewählt. Also das hei§t tatsächlich, die Betroffenen der Business-Unit-Standorte haben wir auf verschiedene Art und Weise eingebunden. Haben die auch angehört und haben die Dinge soweit möglich auch dann eingebunden.

00:00:38: Und das hat von vornherein eine sehr, sehr hohe Akzeptanz dann bei den Usern geschaffen. Und Transparenz ja auch. Und Transparenz, ja.

00:00:39: Das macht es ja auch wirklich nochmal einzigartig. Super. Stefan, auch wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, landen wir auch wirklich schnell beim Thema Dekarbonisierung.

00:00:40: Und viele Unternehmen denken dabei ja zunächst an Technologie erst mal. Ihr seid bei AUNDE ja bewusst organisatorisch gestartet. Was war denn der Moment, in dem klar wurde, okay, Dekarbonisierung ist vor allem eine Organisations- und eine Steuerungsfrage?

00:00:41: Auch hier kann ich nur wieder auf 2006 verweisen, wo wir schon mit dem Integrated Management System, aber auch gerade mit den ERS-Standards angefangen haben. Energiemanagement, Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz und auch Umweltschutz. Das heisst, hier haben wir die Grundlagen damals schon gelegt.

00:00:42: Das hei§t, das Verständnis später für Dekarbonisierung war dann, glaube ich, ganz anders als vielleicht bei anderen Unternehmen. Gerade im Bereich Energiemanagement, da haben wir viele Standorte, die sind auch zertifiziert nach diesem Standard, war die Grundlage schon für die Dekarbonisierung. Von daher hatten wir es ein bisschen einfacher dann, das ganze Thema zu gestalten.

00:00:43: Das andere ist, und das ist auch mal so wichtig zu verstehen, die AUNDE-Gruppe mit der KomplexitŠt. Und KomplexitŠt meine ich Anzahl Mitarbeiter, Produkte, Prozesse, die wir haben, weltweit unterwegs. Wir benötigen diese Strukturen.

00:00:44: Deshalb müssen wir die Dinge immer vordenken. Es nützt nichts, wenn ich direkt ins Doing gehe, sondern wir müssen diese Strukturen schaffen und diese Governance, da sind wir ja bei unserem eigentlichen Thema, dass wir die auch schaffen, um dem Unternehmen, den Standorten Orientierung zu geben. Wenn wir das alles losgelöst machen, das haben wir auch schon erlebt, dann funktionieren die Dinge nicht und wir erzeugen halt einen hohen Aufwand und Verschwendung.

00:00:45: Ja, super interessant. Du sagst ja auch, ihr müsst vordenken. Und Nachhaltigkeit und auch Dekarbonisierung ist ja ein Prozess, in dem man lebenslang lernt.

00:00:46: Also kann ich auch von mir behaupten. Und das ist ja in den Unternehmen auch so. Wie war denn da eure Lernkurve?

00:00:47: Musstet ihr nochmal vor und zurück und vielleicht nochmal Prozesse und Strukturen anpassen?

00:00:48: Definitiv. Ich fange aber nochmal ein bisschen anders an. Wir haben durch unsere Strukturen und wir haben wirklich eine sehr, sehr systematische Vorgehensweise.

00:00:49: Wir sind ja nicht durch Zufall auf das Thema Dekarbonisierung so gekommen. Also, es ist ein Klassiker wegen Klimawandel, klar. Aber wir haben eine Wesentlichkeitsanalyse gemacht.

00:00:50: Wir haben wirklich systematisch hergeleitet, was sind die wesentlichen Themen in unserem Unternehmen, für unser Unternehmen im Kontext mit der Nachhaltigkeit. Und unter anderem ist das Thema Dekarbonisierung auch ein wesentliches Thema. Dann haben wir uns überlegt, wie gehen wir das ganze Thema an.

00:00:51: Hier wieder Grundlage Energiemanagement war super und haben uns dann vorher überlegt, wie müssen wir das jetzt einkippen. Und wir haben das tatsächlich auch von der organisatorischen Seite und Strukturseite erstmal betrachtet und dann auch organisiert.

00:00:52: Ja, lieber Hannah, du bist ja heute da, um so ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern, wenn es um die Implementierung geht im Unternehmen. Stefan hat eben angesprochen, dass ihr schon ganz gut vorbereitet wart durch eure Vorarbeiten zum Thema Energiemanagement-Systeme. Und jetzt kommen wir zu meinem Lieblingsthema, nämlich das ganze Thema Datenvorbereitung, Erstdatensammlung und vielleicht auch die Bewertung der Qualität.

00:00:53: Wie habt ihr euch dem Thema Dekarbonisierung geeinigt und wie habt ihr das ganze Thema Daten dann tatsächlich im ersten Schritt in Angriff genommen?

00:00:54: Das Ganze war eine Reise für uns. Wir haben anfangs die Daten zum Bereich Nachhaltigkeit, jetzt also Energie, Verbräuche und alles dazugehörige haben wir über Excel erhoben damals. Und da war noch viel manueller Aufwand mit dabei.

00:00:55: Zum einen bei der Erfassung, also das Reporting von den Standorten an uns. Die mussten ja auch erstmal verstehen, was wollen wir jetzt von denen? Was sind die Anforderungen?

00:00:56: Wie sind die Definitionen der Kennzahlen? Und das war dann ein laufender Prozess. Wir haben die Werte eingeholt, wir haben uns die angeschaut.

00:00:57: Mussten ja auch erstmal verstehen, was ist denn plausibel? Nicht jeder Standort ist ja gleich. Manche sind kleiner und manche sind grösser.

00:00:58: Wir haben andere Produktionen, brauchen andere Energiequellen. Und das Ganze mussten wir dann auch erst einmal verstehen und uns anschauen. Und die Standorte natürlich, wie gesagt, genauso.

00:00:59: Die mussten verstehen, was wollen wir für Daten haben? Welche Einheiten wollen wir haben? Und dann haben wir immer wieder mit denen kommuniziert und Feedback gegeben und nachgefragt, ist das plausibel?

00:01:00: Darum und darum finden wir das vielleicht etwas komisch. Und so hat sich dann auch die Datenqualität über die Zeit verbessert. Also wir haben wirklich Listen gepflegt mit den Punkten, wo wir sagen, das passt vielleicht nicht ganz und sind die einen nach dem anderen systematisch angegangen.

00:01:01: Und das Reporting haben wir über die Jahre immer weiterentwickelt. Das heisst, wir haben dann geschaut, wie können wir es automatisieren? Wie können wir Fehlerquellen verhindern, Fehlerquellen ausmerzen?

00:01:02: Wir haben dann einen Shift gemacht von dem Reporting-System zu einem BI-Tool, wo die Standorte alle Zugang, also die Standorte hatten sowieso schon alle Zugang natürlich, aber mehrere User pro Standort konnten in dem System dann ihre Daten eingeben. Also es war nicht mehr eine Person, die dann alles einsammeln musste. Und so haben wir auch für die Standorte den Prozess natürlich einfacher gemacht und denen eine Effizienzsteigerung ermöglicht beim Reporting.

00:01:03: Wir haben Meetings abgehalten mit den Standorten, um miteinander zu sprechen und zu schulen. Und wir haben einmal im Jahr ein regelmässiges Meeting, wo alle Standorte zusammenkommen. Und auch da war das unter anderem ein Thema, wo wir Neuigkeiten kommuniziert haben.

00:01:04: Wir haben natürlich auch unsere Kennzahlen geschärft. Und das hat wahnsinnig geholfen, die Datenqualität dann auch immer weiter stetig zu verbessern. Das ist kein Prozess, der jetzt geendet hat.

00:01:05: Da sind wir weiterhin bemüht, auch die Auswertung immer, ich will nicht sagen, einfach nur besser zu machen.

00:01:06: Ja, aber vielleicht ist es einfach nur besser machen. Du hast ganz viele wichtige Punkte angesprochen. Also ihr habt den Prozess gestartet.

00:01:07: Dann hast du gesagt, naja, ein paar Kollegen wussten gar nicht so genau, was sie tun sollen. Dann habt ihr kommuniziert. Dann seid ihr zusammengekommen, habt auch ein bisschen Wissensbildung betrieben im Unternehmen und habt euch dann auch, wenn ich das richtig verstanden habe, eines Tools ermächtigt, was die Effizienz steigert.

00:01:08: Also geht dann schon Richtung Digitalisierung. Und ja, warum fasse ich das jetzt so zusammen? Weil unser Podcast-Motto ist, ja einfach machen und einfach starten und auch sich auf diesen Lernprozess einzulassen.

00:01:09: Würdest du das unterschreiben? Absolut, ja.

00:01:10: Also wenn wir jetzt von Anfang an den Anspruch gehabt hätten, ein perfektes Reporting-System aufzubauen und auszurollen, dann wären wir ja heute noch nicht damit draussen, sondern wir mussten irgendwo starten. Das haben wir gemacht. Natürlich haben wir uns im Vorfeld Gedanken gemacht, was brauchen wir, was ist unser Ziel und haben das dann erst mal so einfach wie möglich gemacht und gestartet, dass auch alle die Möglichkeit hatten, daran zu wachsen und zu lernen.

00:01:11: Super, also genauso unserem Kredo eigentlich nach einfach mal machen und anfangen. Was würdet ihr den Unternehmen raten, die jetzt gerade damit erst beginnen mit dem Thema?

00:01:12: Also im Prinzip genau das, was wir gerade gesagt haben, auf die Reise begeben. Weil ich glaube, es ist ganz wichtig, anzufangen, also wirklich auch in die Umsetzung gehen, Erfahrungen sammeln und aus den Erfahrungen aber lernen. Und ich glaube, das ist der Schlüssel zum Erfolg tatsächlich.

00:01:13: Lessons learned. Also zu gucken, Fehler darf man machen, am besten aber nicht zu oft und dann wirklich aus den Fehlern lernen und gucken, was kann ich besser machen. Und auf die Frage auch nochmal der Digitalisierung zu kommen, hätten wir mit den Excel-Listen so weitergemacht, dann würden wir zu keinem Ergebnis kommen.

00:01:14: Wir kriegen diese Masse an Informationen und Daten, kriegen wir nicht gemanagt. Ich muss immer wieder darauf zurückkommen, wir sind mehr als 20.000 Mitarbeiter, wir sind mehr als 100 Standorte. Die Daten müssen wegen unserer Unternehmensform und unseren Kunden konsolidiert werden.

00:01:15: Das hei§t, ich muss von allen Standorten und Businessunits muss ich Daten konsolidieren, analysieren. Ich muss die aber auch kundengerecht und bedarfsorientiert aufbereiten. Das heisst, ein Wirtschaftsprüfer braucht vielleicht andere Informationen als ein Kunde, als eine Plattform und das könnte ich jetzt noch weiter so ausführen.

00:01:16: Von daher ist es halt sehr wichtig.

00:01:17: Aber vielleicht ganz kurz und prägnant, weil ich glaube, das ist superwichtig. Welche Voraussetzungen müssen denn jetzt, wenn du jetzt das mal in einem Satz zusammenfassen müsstest, welche Voraussetzungen muss denn ein Unternehmen schaffen, damit Automatisierung auch wirklich einen Mehrwert bildet im Unternehmen?

00:01:18: Im Sinne von Geschäftsprozessen muss ich die Grundlagen schaffen. Die Grundlagen sind beschriebene Prozesse und jetzt sind wir wieder dabei, was viele nicht mögen. Die denken dann immer an Dokumentation und Papier, aber ich muss ja einen Prozess erst mal beschreiben und auch erst mal sagen, wie hat etwas abzulaufen und damit schaffe ich die Grundlage.

00:01:19: Und wenn man das mal weiterdenkt, ist das letztendlich auch ein Governance-System. Das Governance-System ergibt sich letztendlich auch durch die vielen Anforderungen der Stakeholder. Und wir haben heutzutage ja nicht nur einen Stakeholder.

00:01:20: Früher war es halt der Kunde. Heute habe ich sehr, sehr viele Stakeholder, die ich bedienen muss und auch möchte und von daher brauche ich Governance-Strukturen.

00:01:21: Also Hannah, ihr seid auch ganz strukturiert an das ganze Thema Digitalisierung noch mal rangegangen, ja? Ja, genau. Wir haben natürlich am Anfang erst mal angefangen und das Reporting war noch nicht perfekt. Und dann sind wir einen Schritt zurückgegangen und haben erst mal Strukturen geschaffen und das Thema organisiert und haben dann Verbesserungen eingeführt.

00:01:22: Wir haben das automatisiert und für uns natürlich einfacher gemacht dabei, aber auch für die Nutzer, also für die Berichtenden. Und über diese Verbesserungen Schritt für Schritt sind wir immer mehr in die Digitalisierung gegangen und konnten jetzt unsere Ressourcen dadurch auch anders einsetzen, gezielter einsetzen und uns um die wesentlichen Themen kümmern.

00:01:23: Ja, finde ich super, weil manchmal tut so ein Schritt zurück ja erst mal ganz gut, um die Sachen noch mal von au§en zu betrachten, Klarheit zu bekommen und dann wirklich vielleicht auch zwei Schritte nach vorne zu machen, so wie du das gerade super beschrieben hast.

00:01:24: Ja, genau.

00:01:25: Was verändert sich konkret, wenn man Nachhaltigkeit strukturiert, digital statt über isolierter Tools oder Excel-Listen steuert?

00:01:26: Wo unser Management-System auch gerade Energiemanagement etabliert haben. Wir hatten einen Faced Approach, wie man im Englischen so schön sagt. Das hei§t, wir haben angefangen mit einer Excel-Grundlage, wie immer, wir haben so eine Liste, wir haben die Energiemanagement-Daten abgefragt, die man braucht und benötigt und wie man sich vorstellen kann, das war sehr, sehr aufwendig.

00:01:27: Wir haben auch alles gesehen, Datenqualität war nicht in Ordnung, zu spät berichtet, Fehler im Reporting und das war einfach nicht zu managen. Punkt eins ist, war, wenn wir zu spät waren. Punkt zwei ist, Datenqualität war nicht okay und von daher haben wir das ganze Thema dann strukturell in der nächsten Phase dann angegangen, sind wir das angegangen.

00:01:28: Das heisst, wir haben uns überlegt, wie ist denn der Reporting-Prozess, wer sind denn die Verantwortlichen, wer sind die Key-Player und auch vor allem, wer sind Entscheider und müssen nochmal Daten absegnen. Das hei§t, wir haben die Systeme auch angepasst, um Dateneingaben zu vereinfachen und Fehlererkennung zu automatisieren und das hat auch wieder sehr geholfen und du siehst schon wieder, hier haben wir auch wieder diesen iterativen Prozess. Die Datenauswertung haben wir dann angefangen über unsere Tools wie Power BI dann zu automatisieren, sodass auch der User erlebt, dass die Dateneingabe einfacher wird und über Power BI auch die Ergebnisse sichtbar werden für den User.

00:01:29: Also das heisst, wir haben hier auch mehr Transparenz in der gesamten Kette, in dem gesamten Prozess geschaffen und sind heute dabei, das Ganze immer weiter zu automatisieren, zu vereinfachen, automatisieren, weil Reporting hat ja keinen Selbstzweck, also wir wollen ja nicht nur Daten erheben, sondern am Ende des Tages sind diese Daten die Grundlage für Entscheidungen und Richtungsweisen und Digitalisierung befähigt damit. Also Digitalisierung befähigt Risiken und Chancen zu erkennen und das Unternehmen zu steuern.

00:01:30: Ich frage mal ganz provokant, also ich bin total für digitale Workflows und Prozesse, aber erlebe auch oft, dass es manchmal eine Hürde gibt, intern. Jetzt hast du gesagt, Effizienz ist ein Thema, Prozesse werden schneller und jetzt die provokante Frage, erkennt man dann einfach nur schneller, welche Daten nicht da sind?

00:01:31: 100 Prozent. Also wir erkennen, wenn Daten nicht da sind und können diese Daten dann korrigieren, aber das wiederum befähigt uns ja, eine gute Datenqualität zu haben und die ist zwingend notwendig. Also das ist ja immer rubbish in, rubbish out.

00:01:32: Genau.

00:01:33: Das hei§t, das ist eine Komponente in diesem Spiel. Das heisst, wenn du mal über Reporting nachdenkst, ich brauche Reporting Disziplin, ich brauche aber auch Reporting Qualität und das ist eine Grundvoraussetzung. In meinem alten Unternehmen war immer Reporting ist King, also nicht wegen meinem Namen jetzt König, aber das war tatsächlich wichtig.

00:01:34: Also Reporting ist wichtig und nicht als Selbstzweck, sondern als Grundlage für die Unternehmenssteuerung. Und wenn wir jetzt wieder abheben, wenn ich ein gutes Reporting habe, wenn ich mich auf die wesentlichen Themen konzentriere, kann ich auch meine Ressourcen effektiv einsetzen, weil keiner hat heute ausreichend Ressourcen. Das heisst, ich glaube, die Kunst ist es tatsächlich, seine Ressourcen auf die richtigen Themen einzuzahlen, einzusetzen und dann haben wir was gekonnt.

00:01:35: Ja, absolut. Und jetzt vielleicht noch mal von der anderen Seite auch zu sehen, wo haben wir Lücken, wo haben wir Gaps, ist ja auch noch mal eine Chance, diese schneller zu erkennen und natürlich auch viel schneller in Angriff zu nehmen, um dann letztendlich das Zielbild dann auch zu erreichen.

00:01:36: Absolut. Also da höre ich auch noch mal raus bei euch, Stefan, ganz klar, Digitalisierung ist kein Nice-to-have bei euch, sondern eine klare Voraussetzung für den Erfolg des Unternehmens, ja?

00:01:37: Unbedingt. Also das ist bei uns eine wichtige Säule, auch das Management-System, das integrierte Management-System ist eine ganz, ganz wichtige Säule. Und ich möchte auch noch mal betonen, ich habe ja die Hannah Koppenburg hier nicht umsonst mitgebracht, sondern auch hier entwickeln wir uns organisatorisch weiter.

00:01:38: Das hei§t, die Hannah hat mal angefangen mit nur Reporting und das war tatsächlich Datenqualität und Disziplin. Und das hat sich jetzt weiterentwickelt Richtung Data Analytics. Also die Hannah kümmert sich jetzt auch um Data Analytics.

00:01:39: Wir gehen jetzt den nächsten Schritt und wir beschäftigen uns auch mit KI. Das heisst tatsächlich, wie können wir jetzt KI nutzen, um unsere Prozesse effektiver und am Ende auch effizienter darzustellen, aufzusetzen? Weil wir wollen uns nichts vormachen.

00:01:40: Das ist wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit. Also mit weniger Ressourcen mehr schaffen, das ist ein bisschen so das Motto. Und das schaffen wir nur mit Digitalisierung.

00:01:41: Hannah, magst du uns vielleicht noch mal konkret sagen, was genau ihr da macht? Weil das hört sich sehr interessant an. Ja, gerne.

00:01:42: Also um auch noch mal so ein bisschen aus der Vergangenheit zu erzählen und da anzuknüpfen, was Stefan eben gesagt hat. Als ich angefangen habe, habe ich mich, wie er gesagt hat, nur damit auseinandergesetzt, dass die Datenqualität stimmt, Fehler zu identifizieren, auszumerzen und zu schauen, dass die Daten verfügbar sind. Und das haben wir dann weiterentwickelt und durch Digitalisierung so weit automatisiert, dass ich diesen Aufwand jetzt damit gar nicht mehr habe, sondern durch Digitalisierung habe ich dann viel mehr Kapazitäten auch frei, um mich auf die wesentlichen Themen zu konzentrieren.

00:01:43: Also die Daten tatsächlich zu analysieren, nicht nur zu schauen, sind die plausibel und sind die vorhanden, sondern was sind denn tatsächlich die Trends? Welche Standorte sind beispielsweise unsere Hauptemittenten von CO2-Emissionen? Wo haben wir die grössten Hebel?

00:01:44: Und die Plausibilitätsprüfung und Verfügbarkeitsprüfung, das läuft automatisch, ich sag mal nebenher. Also wir brauchen da nicht mehr so viel Aufwand reinstecken und können jetzt die nächsten Schritte gehen und tatsächlich mit den Daten viel mehr arbeiten.

00:01:45: Ich würde dazu gerne noch einen Gedanken reinbringen und zwar, ich weiss nicht, ob ihr das Konzept vom Lean Management kennt, aber Lean Management, da geht es ja sehr um Verschwendung identifizieren und Verschwendung zu eliminieren. Und ich mag dieses Konzept auch im Kontext mit der Nachhaltigkeit, weil wenn wir das mal weiterdenken, auch hier mit der Digitalisierung, sind bestimmte Dinge einfach Verschwendung. Und es geht darum, diese Verschwendung zu eliminieren, wie jetzt manuelles Reporting, das sollten wir automatisieren.

00:01:46: Analyse von Daten, sollte man Digitalisierung mit KI auswerten. Und wenn ich das dann kann, dann kann ich mich, also wir können uns dann konzentrieren, um mit unseren Standorten, mit unseren Kollegen zusammenzuarbeiten und können dann ins Tun kommen. Da schließt sich wieder der Kreis.

00:01:47: Also wirklich dann zu gucken, wo gibt es vielleicht Auffälligkeiten, Abweichungen? Und dann arbeiten wir aber an den Themen und überlegen uns, wie können wir das denn verbessern? Und dann bin ich im Tun und dann bin ich im Machen.

00:01:48: Und das ist, glaube ich, dass, wo wir hinmüssen. Also das ist eine Grundvoraussetzung. Ich muss gute Datenqualität haben.

00:01:49: Ich muss eine Disziplin haben, dass die Sachen auch zum richtigen Zeitpunkt berichtet werden. Und wenn dem so ist, können wir uns wirklich unsere Ressourcen auf die wichtigen Themen, auf die wichtigen Fragestellungen im Leben dann konzentrieren.

00:01:50: Ja, danke, dass du das ansprichst. Weil leane Prozesse bedeuten ja Effizienz, mehr Nachhaltigkeit, aber, und das vergessen wir immer, auch weniger Kosten, oder?

00:01:51: Definitiv, definitiv. Also Effizienz ist ja Kosten letztendlich. Und die Effektivität, die steht vielleicht am Anfang dann im Vordergrund.

00:01:52: Aber wir müssen die Effizienz verbessern, weil die Anforderungen, die werden nicht weniger. Also die Regulatorik, die zieht an. Und wie ich vorhin schon sagte, ist, wir müssen mit weniger mehr schaffen.

00:01:53: Und das schaffe ich dann nur mit, wenn ich smart aufgestellt bin, wenn ich schlank aufgestellt bin und wenn ich digitalisiert bin. Also für mich ist Digitalisierung zwingende Voraussetzung. Und das andere ist, Nachhaltigkeit ohne Digitalisierung bei Unternehmen unserer Grössenordnung wird nicht funktionieren.

00:01:54: Absolut. Und auch nicht ohne Technologie, Stefan. Also sehe ich bei euch auch wirklich klar, dass man sagt, Digitalisierung ist eigentlich euer Enabler nochmal mit dem Hands-on-Prinzip dann loslegen und dann wird da wirklich ein Schuh draus aus der ganzen Geschichte.

00:01:55: Sehr gut. Wenn wir nochmal weiter gucken, ein wichtiger Bestandteil, wenn man über strukturierte Governance spricht, sind ja auch Standards und Zertifizierung. Wann schaffen Standards denn bei euch echten Mehrwert und wann werden sie einfach zur Formalität?

00:01:56: Was meinst du?

00:01:57: Dokumentation ist notwendig. Und wenn ich von Dokumentation rede, rede ich nicht vom Papier. Aber ich muss die Dinge ja beschreiben.

00:01:58: Standardisierung ist wichtig für Unternehmen unserer Grössenordnung. Das heisst, wir müssen das Ganze orchestrieren und wir müssen das Ganze global orchestrieren. Und deshalb brauchen wir diese Standards.

00:01:59: Also wir müssen schon in einem gewissen Rahmen Vorgaben machen. Da bedienen wir uns unseres Management-Systems, diese Standards einzukippen. Und es gibt natürlich auch Standards auf unterschiedlichen Ebenen.

00:02:00: Also wir machen Vorgaben von der Gruppe. Es gibt Business-Units-Vorgaben. Standorte haben in den Ländern auch nochmal eigene Standards und Vorgaben.

00:02:01: So ist das Konstrukt einfach. Die Zertifizierung ist für uns nicht nur Mittel zum Zweck, sondern sie ist eine vertrauensbildende Massnahme. In unserer Branche, der Automobilindustrie, wir haben eh einen sehr hohen Standard.

00:02:02: Und hier werden die üblichen Management-Systems-Standards einfach auch verlangt. Also ob das jetzt IATF ist, ob das die IAS-Standards sind. Wir als AUNDE-Gruppe, wir haben uns ja auch noch nach dem ZNU-Standard zertifizieren lassen.

00:02:03: Und zwar einfach aus dem Grund, weil wir überzeugt waren, dass wir das Draufhaben, weil wir das können. Und wir haben damit auch Recht behalten. Und wir wollten auch proaktiv hier eine Zertifizierung durchführen nach einem Nachhaltigkeitsstandard.

00:02:04: Und das haben wir auch jetzt die letzten drei Jahre umgesetzt. Was für mich nochmal ganz wichtig ist, was ich immer wieder sehe in meiner Praxis ist, wir haben mittlerweile Überlappungen zwischen den Standards. Das hei§t, jeder Management-System-Standard ISO 9001, die sind gerade in der Revision, setzen sich jetzt auch mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander und bringen Aspekte der Nachhaltigkeit auseinander und bringen Aspekte der Nachhaltigkeit dann in die Standards rein. Das wiederum führt zu Überlappungen bei der Auditierung und ist einfach ein grosser Aufwand auch fŸr die Unternehmen. Also gefühlt erzähle ich jedem Auditor ähnliche Dinge und jeder Auditor hat den Anspruch, diese Dinge auch abzufragen. Und ich verstehe das auch ganz.

00:02:05: Aber hier auch wieder, wenn wir Richtung Effizienz denken, sollten wir das mal überdenken, wo können wir hier auch noch Synergien generieren. Also ich denke da über Kombi-Audios nach. Das Thema Social Audit, das ist, glaube ich, bei vielen Unternehmen noch gar nicht auf der Agenda. Das ist so ein Thema, das wir auch noch einbringen müssen und ich stelle mir das aber so vor, dass wir das nicht einzeln machen, sondern tatsächlich als Kombi-Audits mit Audit-Teams durchführen, sodass dann auch die Organisationseinheiten nicht so eine hohe Belastung haben.

00:02:06: Und das Ganze kann dann ergänzt werden durch Spot Audits. Also ein Spot Audit ist wie ein Prozess Audit, wo ich dann nochmal spezifisch in bestimmte Abteilungen, Bereiche reingehe und mir dann die Dinge genauer ansehe. Finde ich eigentlich eine gute Anregung. auch über Audit-Teams nachzudenken. Aber nicht jeder Standard lässt das zu. Da gibt es sicherlich ein paar Beweggründe, warum das an der einen oder anderen Stelle vielleicht auch noch nicht so ist. Aber auf der anderen Seite müsstet ihr doch die Daten dann auch schon vorliegen haben.

00:02:07: Also ich persönlich finde es ja gut, dass Nachhaltigkeit den Weg in ganz viele Standards gefunden hat. Und auch da reden wir sicherlich über einen Prozess, der sich vielleicht auch dann in der Zukunft nochmal anpasst. Auch hier war es bei uns so, dass, wenn ich jetzt acht Jahre zurückdenke, haben wir die Audits tatsächlich noch anders vorbereitet, in Anführungsstrichen. Wir haben einen relativen Aufwand betrieben, damit das dann auch alles abläuft.

00:02:08: Jetzt kann ich dir sagen, in den letzten zwei, drei Jahren, durch den ganzen Prozess und Lernphasen, die wir durchlaufen haben, bereiten wir die Audits mittlerweile kaum noch vor. Natürlich organisatorisch, Agenda, wer macht was und wir wissen natürlich auch, wo wir vielleicht nochmal etwas nachschärfen müssen.

00:02:09: Aber der Aufwand hat sich dramatisch reduziert. Und warum? Weil wir alles parat haben. Genau. Das ist auch positiv. Nein, absolut. Aber das ist halt auch das Ergebnis dieser jahrelangen Arbeit. Also wir haben da wirklich strategisch uns auf die Strategie, die wir aufgesetzt haben, das hat nicht nur mit Nachhaltigkeit zu tun, sondern ist die Arbeitsweise zahlt sich jetzt aus. Das zahlt sich aus in der Auditvorbereitung und was ich dir aber auch sagen kann ist, ich habe jetzt vor kurzem nochmal das Management Review vorbereitet und durchgeführt. Und das war für mich ein tolles Aha-Erlebnis, weil wir haben uns wirklich auch nachweislich verbessert. Also wir haben bei NQC haben wir uns verbessert, bei EcoVadis haben wir uns verbessert, bei CDP haben wir ein B-Rating bekommen auch und das ist ein Ergebnis unserer Arbeit. Wir können, unsere Energieeffizienz hat sich verbessert und das ist nachweislich und auch die Datenqualität stimmt mittlerweile.

00:02:10: Das heisst, das ist jetzt nicht irgendwie dahingeschönt, sondern es ist tatsächlich der Erfolg unserer Arbeit. Die Arbeit hat sich gelohnt und zeigt einfach, dass es sich lohnt, auch einfach mal zu machen. Ja und ich finde auch, bei euch sieht man nochmal ganz klar, dass Standards da wirklich bei helfen, Organisationen und Prozesse auch wirklich zu stabilisieren und langfristige Kundenbindungen dann auch aufzubauen. Das gefällt mir richtig gut.

00:02:11: Governance klingt ja oft auch erstmal technisch und strukturell, aber letztendlich ist es ja schon eine Frage von Führung und Haltung, oder? Ja. Was aus eurer Sicht ist denn der wichtigste Erfolgsfaktor, um Nachhaltigkeit wirklich in der Organisation zu verankern, Stefan? Also ich stimme dem auch grundsätzlich zu. Governance ist technisch. Man muss es erlebbar machen. Und für uns waren die zwei wichtigsten Erfolgsfaktoren tatsächlich die Rückendeckung von unserem Top-Management.

00:02:12: Und das Zweite ist Hartnäckigkeit, glaube ich. Also man muss am Ball bleiben. Man darf sich auch nicht abschrecken lassen, wenn sich jetzt Dinge verändern. Wir haben gerade so eine dynamische Umgebung, geopolitisch, in der Automobilindustrie ist verdammt viel los. Ich denke, in Deutschland und in Europa haben wir ein schwieriges Umfeld in der Automobilindustrie. Der Wettbewerb wird immer härter. Und da ist es nicht hilfreich, beispielsweise wenn man Omnibus jetzt sieht, da darf man wirklich sich nicht abschrecken lassen, muss am Ball bleiben. Wir haben uns zu dem Thema Nachhaltigkeit committed.

00:02:13: Das heisst, wir werden unseren Weg weitergehen, aber wir hinterfragen uns auch permanent. Hier sind wir wieder bei der Lernkurve. Also man muss wirklich immer überlegen, bin ich noch auf dem richtigen Weg, müssen wir anpassen und wenn es notwendig ist, dass wir anpassen müssen, dann passen wir uns dann auch an, um wieder unsere Ressourcen zielgerichtet auch einzusetzen. Das ist glaube ich ganz, ganz wichtig.

00:02:14: Also vielleicht zusammenfassend, wer zukunftsfähig bleiben möchte und vielleicht darüber nachdenkt, in 10, 20, 30 Jahren auch immer noch ein Marktplayer zu sein, muss einfach weitermachen. Ist das die Kernmessage, die du unseren Zuhörern und Zuhörerinnen mitgeben möchtest? Das würde ich unterstreichen. Ich glaube, wir müssen das Wort Nachhaltigkeit entzaubern. Wir müssen es erlebbar machen und wir müssen ins Doing kommen. Ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig. Ja, und auch da nochmal ein Kommentar meinerseits. Ich sage das auch gerne und oft. Nachhaltigkeit ist ja immer so das Wording, also das übergeordnete Thema.

00:02:15: Aber Nachhaltigkeit ist ja wirklich, und das habt ihr heute ja auch super beschrieben, auch sehr spezifisch, wenn es darum geht, welche Themen gehe ich an, welche Methodiken nutze ich, in welche Operations spielen eigentlich meine Massnahmen rein, um mich langfristig nachhaltiger aufzustellen. Also wirklich auch vielleicht nochmal gezielter zu gucken, was sind eigentlich so die Kernthemen, wo kann ich angreifen und wie du schon sagst, wir müssen das Wort Nachhaltigkeit ein bisschen entzaubern. Entzaubern, aber in die Richtung Operations zaubern und das wirklich einfach umsetzbar machen. Stefan Hanna, vielleicht nochmal eine abschliessende Frage zu dem Thema an euch. Wenn ihr eine Sache nennen müsstet, die über den zukünftigen Erfolg von Unternehmen entscheidet, was wäre das für euch? Also ich denke in mehrere Richtungen gerade und kann mich nicht so ganz entscheiden.

00:02:16: Zum einen ist es natürlich sehr wichtig, eine Governance auch aufzubauen und die Strukturen erstmal zu legen, die Grundsätze, um zu wissen, in welche Richtung wollen wir gehen, was sind unsere Ziele, was sind unsere wichtigsten Themen. Also zu schauen, und das ist ja für jedes Unternehmen unterschiedlich, was sind unsere wesentlichen Themen. Und die dann zu priorisieren. Und dann ist aber der zweite Faktor dabei für mich, ohne Digitalisierung, wie wir das auch schon mehrfach gesagt haben, wird das extrem schwierig. Und Digitalisierung ist dann hier der Enabler.

00:02:17: Aus meiner Sicht ist die Anpassungsfähigkeit oder in Neudeutsch Agilität. Und wenn wir das Ganze dann abheben auf ein Governance-System, dann muss das Governance-System auch agil sein. Das ist ganz wichtig. Aber wie auch schon gesagt, wir müssen uns permanent hinterfragen. Und Strategien anpassen und ich glaube, das ist ganz wichtig und Schnelligkeit. Also wir müssen schnell sein, weil wenn wir sehen, was unsere Wettbewerber, andere Länder da so hinkriegen, glaube ich, gerade auch in Deutschland, Europa müssen wir viel mehr an Geschwindigkeit gewinnen.

00:02:18: Ja, Stefan Hannah, vielen Dank für diesen offenen Einblick in die Realität eines Unternehmens, das Governance, Nachhaltigkeit und Digitalisierung nicht als Schlagworte nutzt, wie ich finde, sondern als Steuerungsprinzipien absolut begreift. Ganz schön dickes Brett, was ihr da zu bohren habt, auf jeden Fall.

00:02:19: An euch, liebe Hörerinnen und Hörer, danke fürs Dabeisein. Wenn ihr künftig besser verstehen wollt, wie komplexe Organisationen Transformationen wirklich umsetzen und wo man anfangen muss, wenn man erst machen will, dann abonniert BusinessShift. Wir bringen euch die wichtigsten Perspektiven rund um nachhaltige Unternehmensführung. Innovation und Transformation. Natürlich ressourceneffizient direkt in euren Gehörgang.

00:02:20: weiterführende Infos zu der heutigen Folge gibt es wie immer in unseren Shownotes. Ich bin Max Birkenmeier und sage, die Zukunft wartet nicht. Also lasst uns anfangen, sie aktiv zu gestalten. Bis zum nächsten Mal, euer BusinessShift. BusinessShift. Einfach machen. Einfach machen. Der Podcast für Entscheider und Führungskräfte, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit nachhaltig beschäftigen wollen. Bleibt neugierig.

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